Cremig, erfrischend und nicht zu süß – mit kräftigem Espresso, Kokosmilch, feiner Süße und gerösteten Kokosraspeln.
Vor kurzem waren wir für zwei Wochen in Vietnam. Mein Mann hat dort unter anderem ein Kaffee-Seminar besucht und dabei nicht nur viel über die vietnamesische Kaffeekultur gelernt, sondern auch einige besondere Zubereitungsarten kennengelernt.
Eine davon hat es uns ganz besonders angetan: der vietnamesische Coconut Cà Phê. Seit unserer Rückkehr gehört er bei uns fast schon zum Alltag, und auch bei unseren Gästen kommt er jedes Mal richtig gut an.

Da mein Mann nicht nur gerne Kaffee trinkt, sondern sich inzwischen auch ziemlich intensiv mit dem Thema beschäftigt, darf er euch heute persönlich erzählen, was ihn an der vietnamesischen Kaffeekultur so fasziniert und warum der Coconut Cà Phê mittlerweile zu seinem absoluten Favoriten gehört.
Hier kommt sein Rezept, seine Geschichte und natürlich seine ganz persönliche Meinung zum vietnamesischen Kaffee.
Coconut Cà Phê – mein liebster vietnamesischer Kaffee
In den USA ist es momentan im Trend, anstatt zu frühstücken, Kokosmilch und Butter in schrecklich bitteren Kaffee zu schütten und diesen dann anstelle eines Frühstücks zu „genießen“. Ich halte das für geschmacklos.
Vietnam kann Kaffee nämlich deutlich besser.
Vietnam hat eine lebhafte Kaffeekultur mit einer bewegten kulinarischen Geschichte. Kaffee gehört dort längst zum Alltag und wird auf ganz unterschiedliche Arten getrunken. Stark, süß, kalt, heiß, mit Kondensmilch, mit Salz, mit Ei oder eben mit Kokos.

Eine der für mich überraschendsten Varianten ist Cà phê muối, also vietnamesischer Salzkaffee. Und nein: Der Kaffee schmeckt dadurch nicht einfach salzig.
Salz kann Bitterkeit reduzieren und gleichzeitig die Wahrnehmung von Süße verstärken. Genau deshalb funktioniert die Kombination aus kräftigem Kaffee, Süße und einer kleinen salzigen Komponente erstaunlich gut.
Ein kleiner Mythos rund um den Salzkaffee
Immer wieder liest man die Geschichte, dass der vietnamesische Salzkaffee während Überschwemmungen entstanden sei, weil Trinkwasser knapp gewesen sei und man deshalb Kaffee mit Salzwasser zubereitet habe.
So schön diese Geschichte klingt – historisch belegt ist sie nicht. Die heute dokumentierte Geschichte des Cà phê muối führt vielmehr nach Huế. Dort entwickelte sich der Salzkaffee um 2010 in einem kleinen Café und wurde anschließend immer bekannter.

Die Kombination aus Kaffee, Milch beziehungsweise Kondensmilch und Salz war zunächst ungewöhnlich, entwickelte sich aber zu einer echten Spezialität der Stadt.
Das Interessante daran ist für mich weniger die spektakuläre Entstehungsgeschichte als die Tatsache, dass hier ein ganz einfaches Prinzip funktioniert: Eine kleine Menge Salz kann die Bitterkeit eines kräftigen Kaffees ausbalancieren und dadurch andere Aromen stärker hervortreten lassen.
Und dann wäre da noch die gezuckerte Kondensmilch
Eine weitere Kuriosität der vietnamesischen Kaffeekultur ist Kondensmilch im Kaffee – warm wie kalt.
Auch hier spielt die französische Kolonialgeschichte eine wichtige Rolle.
Kaffee kam im 19. Jahrhundert mit den Franzosen nach Vietnam und entwickelte sich dort im Laufe der Zeit zu einem festen Bestandteil der vietnamesischen Ess- und Trinkkultur.
Frische Milch war in dem tropischen Klima schwieriger zu lagern und verfügbar als in Europa. Gesüßte Kondensmilch war dagegen lange haltbar und wurde deshalb zu einer praktischen Alternative.

So entstand eine Kombination, die heute untrennbar mit vietnamesischem Kaffee verbunden ist: kräftiger Kaffee, süße Kondensmilch und – besonders im Süden – jede Menge Eis.
Dabei spielt auch die Kaffeebohne eine Rolle. Vietnam ist heute vor allem für Robusta-Kaffee bekannt. Robusta ist kräftiger, enthält mehr Koffein und besitzt häufig eine deutlich ausgeprägtere Bitterkeit als Arabica. Genau diese Eigenschaften funktionieren erstaunlich gut zusammen mit süßer Kondensmilch.
Coconut Cà Phê – mein Favorit
Heute möchte ich mich allerdings dem Coconut Cà Phê, beziehungsweise Cà phê cốt dừa, widmen.
Meiner Meinung nach ist das die beste vietnamesische Kaffeevariante.
Ich habe diesen Kaffee während unserer Vietnamreise für mich entdeckt und war davon so begeistert, dass ich dort sogar extra ein Kaffee-Seminar besucht habe.
Die klassische Kombination aus kräftigem Kaffee, Kokos und Kondensmilch ist ohnehin ziemlich genial. Ich musste die Rezepte, die ich dort kennengelernt habe, allerdings erst etwas an meine heimische Espressomaschine anpassen.
Denn üblicherweise wird vietnamesischer Kaffee nicht mit Espresso zubereitet. Traditionell kommt dafür der kleine vietnamesische Phin-Filter zum Einsatz. Dabei handelt es sich um einen einfachen Metallfilter, durch den der Kaffee langsam direkt in das Glas tropft.

In Vietnam wird dafür sehr häufig Robusta verwendet. Ich persönlich finde die Kombination mit Espresso allerdings noch besser als mit Filterkaffee.
Der Espresso bringt eine andere Aromatik und eine größere Konzentration mit. Zusammen mit der kalten, cremigen Kokosmasse entsteht ein Kaffee, der irgendwo zwischen Dessert, Eiskaffee und Cocktail liegt.
Und genau deshalb liebe ich ihn.
Zutaten
- ca. 180 ml Kokosmilch, gut gekühlt
- 1 Esslöffel gezuckerte Kondensmilch
- 3 Eiswürfel
- 1 Esslöffel geröstete Kokosflocken
- 1 Espresso, frisch zubereitet
Espresso: Möglichst kräftig und intensiv. Klassischer vietnamesischer Coconut Cà Phê wird mit starkem Kaffee aus dem Phin-Filter zubereitet. Ich finde die Variante mit Espresso allerdings noch besser.
So wird der Coconut Cà Phê zubereitet
Kokosmilch vorbereiten: Als Erstes die Kokosmilch zusammen mit der Kondensmilch und einigen Eiswürfeln in ein hohes Gefäß geben.
Die Kokosmilch sollte möglichst fettreich sein. Das Fett sorgt später für die cremige Konsistenz und dafür, dass aus der Kokosmilch nicht einfach nur ein dünnes, kaltes Getränk wird.

Kokosmasse mixen: Die Kokosmilch, Kondensmilch und Eiswürfel mit einem Handmixer oder Pürierstab cremig aufmixen.
Hier passiert eigentlich der entscheidende Teil des Rezepts: Durch das Mixen wird die Kokosmilch zusammen mit dem Eis luftig und cremig. Gleichzeitig wird sie stark heruntergekühlt.

Kokosmasse auf den Espresso geben
Jetzt kommt der schöne Teil: Die kalte Kokosmasse auf den frisch gezogenen Espresso geben. Dabei treffen heiß und kalt, bitter und süß sowie Kaffee und Kokos aufeinander. Genau diese Gegensätze machen den Kaffee für mich so spannend.
Mit Kokosflocken garnieren: Zum Schluss einen Esslöffel geröstete Kokosflocken darübergeben. Die Kokosflocken sind nicht nur Dekoration. Sie sorgen für etwas Crunch und bringen zusätzlich ein intensives Röstaroma in den Kaffee.
Deshalb röste ich immer eine ganze Packung Kokosflocken ohne Öl in einer Pfanne goldbraun an und habe sie anschließend auf Vorrat bereit. So sind sie jederzeit griffbereit. Fertig ist mein Coconut Cà Phê.

Warum funktioniert die Kombination so gut?
Eigentlich ist dieser Kaffee ein kleines Spiel mit Kontrasten. Der Espresso bringt Bitterkeit, Röstaromen und Säure mit. Die gezuckerte Kondensmilch liefert Süße und die Kokosmilch Fett und Cremigkeit.
Das Eis sorgt für Temperatur und eine fast frappéartige Konsistenz. Die gerösteten Kokosflocken bringen schließlich noch Röstaromen und Biss dazu. Das Ergebnis ist deshalb deutlich mehr als einfach nur „Kaffee mit Kokosmilch“.
Und genau darin liegt für mich der Unterschied zu vielen modernen Kaffee-Trends: Hier werden nicht einfach möglichst viele Zutaten in einen Kaffee gekippt. Die einzelnen Komponenten haben tatsächlich eine Funktion.
Für mich war dieser Kaffee einer der größten kulinarischen Genüsse in Vietnam. Deshalb habe ich dort sogar extra ein Kaffee-Seminar besucht. Besonders spannend fand ich dabei, wie anders Kaffee in Vietnam gedacht wird.

Bei uns ist Kaffee häufig das Getränk, das man möglichst schnell nebenbei trinkt. In Vietnam ist Kaffeetrinken viel stärker Teil des Alltags und der sozialen Kultur.
Man setzt sich hin. Man wartet auf den Kaffee. Man beobachtet, wie er durch den Phin tropft. Und dann trinkt man ihn.
Diese Langsamkeit gefällt mir. Und trotzdem musste ich nach meiner Rückkehr ein bisschen experimentieren. Die Rezepte aus Vietnam habe ich an meine Espressomaschine angepasst, und bin schließlich bei dieser Variante gelandet.
Coconut Cà Phê mit Espresso. Für mich ist das tatsächlich noch einmal besser als die Variante mit klassischem vietnamesischem Filterkaffee.
Und wer jetzt noch behauptet, man müsse Butter in bitteren Kaffee kippen, um daraus ein Frühstück zu machen, hat diesen Kaffee einfach noch nicht probiert.
vietnamesischer Kokos Kaffee mit Espresso
Kochutensilien
- 1 Pürierstab oder Handmixer
- 1 hohes Gefäß zum Mixen
- 1 Glas , ca. 250 ml
Zutaten
- ca. 180 ml Kokosmilch gut gekühlt
- 3 Eiswürfel
- 1 Esslöffel gesüßte Kondensmilch
- 1 Esslöffel Kokosflocken , geröstet
- 1 Espresso Möglichst kräftig und intensiv. Klassischer vietnamesischer Coconut Cà Phê wird mit starkem Kaffee aus dem Phin-Filter zubereitet. Ich finde die Variante mit Espresso allerdings noch besser.
Anleitungen
- Kokosmasse zubereiten: Kokosmilch, Kondensmilch und Eiswürfel in ein hohes Gefäß geben und mit einem Handmixer oder Pürierstab cremig und dickflüssig aufmixen.
- Den Espresso in ein Glas geben und die kalte, cremige Kokosmasse daraufgeben.
- Mit gerösteten Kokosflocken bestreuen und sofort genießen.
Video
Notizen
Wie hat euch mein vietnamesischer Kokos Kaffee gefallen? Ich freue mich auf euer Feedback und bin gespannt, ob euch meine persönliche Variante mit Espresso genauso gut schmeckt wie mir.


